KinderZUKUNFT NRW

KinderZUKUNFT NRW

KinderZUKUNFT NRW ist ein Präventionsmodell zum vorbeugenden Kinderschutz und zur frühen Gesundheitsförderung von Kindern aus psychosozial und gesundheitlich belasteten Familien. Das Modell KinderZUKUNFT NRW wird zurzeit in 10 Geburtskliniken, darunter 6 „neue“ Kliniken an 21 Standorten in Nordrhein-Westfalen eigenständig durchgeführt. Finanziert wird es über die Bundesinitiative Frühe Hilfen, aus Eigenmitteln der Kliniken und durch die Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft.

Das Modell KinderZUKUNFT NRW wurde im Rahmen eines Multicenterprojektes in der Zeit vom 1.9.2010 bis zum 31.8.2012 in sieben Geburtskliniken an sechs Standorten erprobt und durch die beiden nordrhein-westfälischen Landesministerien MGEPA (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter) und MFKJKS (Ministerium für Familie, Kinder, Jugend Kultur und Sport) sowie die Krankenkassen AOK Hamburg-Rheinland, Vereinigten IKK, BKK Landesverband Nordwest und die Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft finanziert. Projektträger war das IMO-Institut in enger Kooperation mit der Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft. Die Stiftung war dafür verantwortlich, den Kontakt zu den Berufsverbänden der Kinder- und Jugendärzte, Frauenärzte, Hebammen, Kinderkrankenschwestern und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes herzustellen. Die Pilotphase von KinderZUKUNFT NRW ist abgeschlossen. Nach Vorlage des Abschlussberichtes bewertete das MFKJKS den von 2010 bis 2012 erprobten Ansatz „KinderZUKUNFT NRW” als „ein Konzept, mit dem die Umsetzung des Bundeskinderschutzgesetzes in Kooperation von Gesundheitswesen und Jugendhilfe durch die systematische Einbindung von Geburtskliniken für Kinder spätestens mit der Geburt gelingt. Es leistet aus Sicht des MFKJKS einen guten Beitrag zum fachlichen Diskurs“.
Ziel des Modells ist die Früherkennung der psychosozial belasteten Familien in der Geburtsklinik, möglichst bereits während der Schwangerschaft, und ihre frühe Unterstützung von Anfang an. Das besondere Merkmal ist, dass Früherkennung und frühe Hilfen primär nicht von der Jugendhilfe, sondern vom Gesundheitswesen ausgehen. In der Geburtsklinik werden nahezu alle Familien erfasst. Das Gesundheitswesen ist Türöffner für die Jugendhilfe auch zu den Familien, die bisher oft Vorbehalte ihr gegenüber haben („Jugendamt nimmt die Kinder weg“). Durch KinderZUKUNFT NRW soll in einer frühen Phase, wenn Kinder noch nicht auffällig sind, aber bereits zusätzlich erhöhte Fürsorgeanforderungen (z.B. Schrei-, Schlaf- und Fütterprobleme, chronische Erkrankungen) an die Eltern stellen, einer Kindeswohlgefährdung vorgebeugt werden. Gleichzeitig können beginnende Entwicklungs- und Verhaltensstörungen bereits im Säuglingsalter früh erkannt und den Familien Frühförderung und Beratung angeboten werden. Dadurch soll der Entstehung von frühkindlichen Entwicklungsproblemen rechtzeitig vorgebeugt werden, die im Kindergarten und/oder Schule zu gravierenden Verhaltensstörungen und ggf. zum Scheitern in der Schule auswachsen können. Für die Vorgehensweise in der Geburtshilfeklinik wurde ein Pathway festgelegt. Pathway Quelle: Stiftung Deutsches Forum Kinderzukunft
Eine Schlüsselfunktion in KinderZUKUNFT NRW nimmt eine Koordinatorin (Familien-Kinderkrankenschwester oder/und Familien-Hebamme) in der Geburtshilfe-Klinik ein, die über ein Screeningverfahren Mütter mit psychosozialen und gesundheitlichen Belastungen in der Geburtsklinik erkennt und in einem vertrauensvollen Gespräch erfährt, welche konkreten Belastungen bestehen und welche Unterstützung erforderlich ist. Sie stellt in der Klinik den Kontakt zu Familien-Hebammen und Familien-Kinderkrankenschwestern her, die die Familien zu Hause besuchen. Im Unterschied zu den Ärzten haben diese Einblick in die familiären Verhältnisse und können Belastungen wie persönliche Überforderungen bzw. Probleme in der Familie erkennen, Mütter beraten bzw. den Kontakt zu den Ärzten herstellen. Die Koordinatorin hält Kontakt zur Jugendhilfe und „kümmert“ sich um deren frühzeitige Unterstützung von belasteten Familien. Sie bittet die Mitakteure – mit Einverständnis der Eltern – um Rückmeldung, ob die Familien bei ihnen angekommen sind.
Die Koordinatorinnen, die Familienhebammen und/oder Familienkinderkrankenschwestern sind, erhalten bei schwierigen Fällen eine Fallberatung durch ihre Dienst-Vorgesetzte, Chef- oder Oberärzte in der Geburts- oder Kinderklinik. Eine Fallsupervision findet monatlich statt. In den Runden Tisch Gesprächen findet ein intersektoraler Austausch zwischen den am Fall beteiligten Fachdisziplinen aus Klinik, niedergelassenen Kinder- und Frauenärzten, Frühförderung, Gesundheitsamt, Schwangerenberatungsstellen und Jugendhilfe statt. Eine Hospitation an Geburtskliniken, die über längeren KinderZUKUNFT Erfahrungen verfügen, ist möglich. Seit 2017 liegt ein Handbuch zur Umsetzung Früher Hilfen in KinderZUKUNFT mit Handlungsempfehlungen und Mindeststandards vor. Es bietet die Grundlage für eine weitere Qualifizierung der Koordinatorinnen. Ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch im Rahmen eines Arbeitskreises der beteiligten Koordinatorinnen ist vorgesehen.
Vorgehen und Umsetzung von KinderZUKUNFT NRW sind nicht der Beliebigkeit der einzelnen Standorte überlassen, sondern orientieren sich an einem gleichem Standard. Als Arbeitsinstrumentarien stehen ein Risikoinventarbogen in der Geburtsklinik und jeweils ein anamnetischer und Monitoringbogen in der pädiatrischen Praxis mit dazu gehörenden Manualen, zur Verfügung. Das Modell geht über die Initiierung früher Hilfen für belastete Familien und die Einbeziehung der Jugendhilfe bei entsprechendem Unterstützungsbedarf hinaus. Sie verfolgt die weitere Entwicklung der Kinder, insbesondere wenn zusätzliche Belastungen und Fürsorgeanforderungen an die Eltern gestellt werden. Hierdurch soll in einer sehr frühen Phase über die Mitakteure des Gesundheitswesens und der Jugendhilfe Unterstützung und Beratung angeboten und ggf. koordiniert werden. Alle ein bis zwei Monate finden regelmäßig Gespräche im Rahmen eines runden Tisches in der Geburtsklinik statt. Dabei werden schwierige Fälle anonymisiert besprochen und beraten. Teilnehmer sind die an den Fällen beteiligten Mitakteure von Gesundheitswesen, der Frühförderung, Beratungsstellen und der Jugendhilfe. Obligatorische Teilnehmer sind die Koordinatoren in der Geburtsklinik und der Jugendhilfe.
KinderZUKUNFT NRW ist ein Baustein früher Hilfen in der Kommune und fügt sich in die Regelversorgung im Gesundheitswesen ein. Es ist ein Modell, das nicht ein bereits funktionierendes Netzwerk vor Ort ersetzt, sondern es ergänzt und sich hier einfügt, die vorhandenen Ressourcen und Akteure (neben der Jugendhilfe, Schwangerenberatungsstelle, Patenschaften, Wellcome und andere) einbezieht und sich mit ihnen abstimmt. Das Vorgehen findet vorwiegend im Rahmen der Regelversorgung des Gesundheitswesen (Geburtshilfe, Hebammen-Nachsorge, Vorstellungen bei Kinder- und Frauenärzten einschließlich Vorsorgeuntersuchungen und Beratung, frühe Hilfen der Gesundheitsämter) statt. Ein wichtiges Merkmal ist, dass Gesundheitswesen und Jugendhilfe nicht – wie häufig bisher – nebeneinander, sondern miteinander arbeiten. Wesentlich dabei ist, dass beide konstante Ansprechpartner (Koordinatoren) haben und sich gut kennen.

Kontakt

Dr. Wilfried Kratzsch
Modellentwicklung
Strategische Kooperationen
Sozialpädiatrischer Berater der Standorte Hilden und Solingen

Telefon: 0211/13959638
E-Mail: info@forum-kinderzukunft.de